Aktuell kamen eine Diskussion mit meiner Mutter und ein Zeitungsartikel zusammen, beide mit einem ähnlichn Thema: Supermarktbrot schmeckt wie Pappe, gute Bäcker sind rar, warum also nicht selber backen? Meine Ma verwies mich recht schnell auf die praktischen und günstigen Backmischungen für Brot, die mittlerweile auch in jedem Discounter zu bekommen sind. Der Artikel sprach hingegen von Brot 'richtig' selber backen, ohne Zusätze, ohne Chemie,... Meine Neugier war geweckt.
Und so habe ich heute, nach sechs (!!!!) Tagen mein erstes, ganz allein gebackenes Brot
Die ganze Geschichte:
Samstag:
Ich vermische 100g Bio-Roggenmehl mit 100ml lauwarmen Wasser zu einem Brei und stelle den für eine Stunde unabgedeckt auf den Balkon. Luftkeimsedimentation sagt der Mikrobiologe in mir dazu. Danach Deckel daruf und ab an einen warmen Ort (in diesem Fall auf die Heizung im Kinderzimmer)
Sonntag:
Morgens und abends wird umgerührt. Viel tut sich optisch noch nicht, aber es beginnt leicht säuerlich zu riechen. Geruchskontrolle ist wichtig, denn ich will auf eine Milchsäuregärung hinaus, nicht auf eine Essigsäuregärung. Den Unterschied riecht man praktischerweise deutlich.
Montag:
Wieder wird gerührt, außerdem wird die Pampe mit weiteren 100g Roggenmehl und etwas Wasser gefüttert. Erste Bläschen sind zu beobachten.
Dienstag:
Zweimal täglich ist rühren angesagt, es riecht deutlich angegoren, Bläschen werden mehr.
Mittwoch:
Morgens wird nochmal gerührt, abends beschließe ich meinen Vorteig anzusetzen. So sieht mein Sauerteig mittlerweile aus:
12-14 Stunden soll man den Vorteig gären lassen, mehr schadet auch nicht. Ich finde folgendes Bild in der Schüssel von gestern
Den Rest des Vorteiges wiege ich ab und gebe nochmal die gleiche Menge Roggenmehl dazu (ok, mußte zum Schluß etwas Weizenmehl nehmen, Roggenmehl war alle. Sind aber nur 100g gewesen). Mit lauwarmen Wasser nach Gefühl wird das ganze nun zu einem schönen Brotteig geknetet, ein Eßlöffel voll Salz als Würze für den ersten Versuch soll reichen. An dieser Stelle bedauere ich das Fehlen einer vernünftigen Küchenmaschine, denn die Knethaken des kleinen Quirls geben da ganz schnell auf. Also ist Handarbeit angesagt, macht eh mehr Spaß. Der Teig kommt in eine Form und darf nochmal gehen (2-6 Stunden hab ich gelesen). Nach drei Stunden hat meine Geduld ein Ende, ich schneide den Teigrohling noch ein, bestreiche ihn mit Wasser und dann ab in den Ofen (in dem unten eine Tasse mit Wasser steht). 15min volle Pulle, dann noch mal 45-50min bei 190Grad.
Belohnt werde ich am Ende mit diesem wundervollen Brot:
Nun, was soll ich sagen? Es schmeckt (jetzt noch ganz frisch) richtig, richtig gut, mal sehen wie es sich mit der Zeit entwickelt, wie gut es frisch bleibt,...
Ich denke der Aufwand hat sich gelohnt, so ein Brot ohne jeden seltsamen industriellen Zusatz hat schon was (eine Bakannte hat mal auf einer Brotzutatenliste 'gemahlene Schalentiere' gefunden!), und da hat man dann auch kein schlechtes Gewissen, wenn man dem Zwerg bald einen Kanten zum einspeicheln gibt. Und eigentlich ist es ja auch gar nicht sooo viel Arbeit, die meiste Zeit ist ja nur warten.
Beim nächsten Mahl werde ich den Teigrohling noch länger gehen lassen, und außerdem vielleicht mal mit ein paar Körnern im Teig, Gewürzen,... experimentieren.